497 Mentorinnen und Mentoren

wurden bis zum 31.07.2017 ausgebildet…

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MENTO-Podcast online

Die Bildungsarbeiter (Sok Yong Lee und Guido Brombach) haben den MENTO-Projektleiter Jens Nieth zum Thema "Funktionaler Analphabetismus" interviewt. 


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Foto: Eva Hoppe / MENTO

Handreichung

Unsere aktuelle Handreichung ist dieses Mal keine Broschüre, sondern eine Mappe, die mit zehn verschiedenen Einlegern zu Themen rund um das Projekt MENTO gefüllt wird. Die Einleger können bei uns bestellt werden, oder online angesehen werden.  


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03. Mentorenqualifizierung - Inhalte und Module: Marcus Henk, Bildungsreferent

06.05.2015

Die Erstqualifizierung von Mentorinnen und Mentoren für Grundbildung und Alphabetisierung in der Arbeitswelt ist in drei Module gegliedert, die sich zunächst mit der Mentorenfunktion beschäftigen, dann die Möglichkeiten erläutern, wie Bedarfe der Grundbildung festgestellt werden können und anschließend darauf eingehen, wie Menschen mit Grundbildungsbedarfen erreicht werden können.       

Die Veranstaltung richtet sich an engagierte Kolleginnen und Kollegen aus Betrieben und Verwaltungen und setzt keine besonderen Kenntnisse oder Qualifikationen voraus.

 03 Foto Marcus Henk 

Marcus Henk (Foto: Mento) 

Modul A:
Mentoren für Alphabetisierung und Grundbildung in der Arbeitswelt
 

Funktionaler Analphabetismus und Grundbildungsbedarfe sind Themenbereiche, mit denen die Teilnehmenden in der Regel nicht vertraut sind. Deshalb muss innerhalb des ersten Moduls zunächst eine allgemeine Information und Sensibilisierung erfolgen. Das erste Modul steht daher unter der Leitfrage: Was ist eine Mentorin oder ein Mentor für Alphabetisierung und Grundbildung in der Arbeitswelt? Nach einem ersten gegenseitigen Kennenlernen und einem Überblick über das Projekt lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die verschiedenen Dimensionen dieser Frage kennen.

03 Foto Hände Kreis

Foto: Rawpixel  

Mentoring
Der erste Schritt auf dem Weg zur Mentorin oder zum Mentor besteht darin, sich über die eigene Rolle bewusst zu werden. Deshalb beginnt die inhaltliche Arbeit im Seminar mit der Annäherung an den Begriff des Mentorings.

Die Aufgaben einer Mentorin oder eines Mentors beginnen beim Informieren und Enttabuisieren. Wenn sie sich als Mentorin oder Mentor präsentieren und Aufklärungsarbeit leisten, dann schaffen sie ein innerbetriebliches Klima, in dem sich Menschen mit und ohne Grundbildungsbedarf eigene Schwächen eingestehen und die Schwächen anderer verstehen können. Unsere Mentorinnen und Mentoren sind dann die vertrauenswürdigen Ansprechpersonen, die für Menschen da sind, die Hilfe brauchen und suchen.

 

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Chart: Erstqualifizierung von Mentorinnen und Mentoren
 
 


03 klein Chart Aufgaben

Chart: Aufgaben der Mentorinnen und Mentoren   


Grundbildung 
Neben Lesen, Schreiben und Rechnen sind für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben weitere Fähigkeiten wichtig, die man unter dem Begriff Grundbildung zusammenfasst. Grundlegende soziale Kompetenzen, Fähigkeiten zum selbstständigen Lernen oder auch ökonomische und rechtliche Kenntnisse gewinnen zunehmend an Bedeutung. Gemeinsam mit den Teilnehmenden werden diese Basiskompetenzen identifiziert und ihre Bedeutung im Privat- und Arbeitsleben besprochen.   

Genauso wichtig wie ein klares Verständnis der eigenen Rolle mit ihren Möglichkeiten und Grenzen ist das Verstehen Betroffener. Wenn die eigenen Fähigkeiten nicht ausreichen, um den alltäglichen Schriftanforderungen gewachsen zu sein, hat dies entsprechende Auswirkungen im Alltag und im Berufsleben. Die Orientierung in unbekannten Umgebungen oder neuen Situationen fällt sowohl beruflich als auch privat nachvollziehbar schwer. Viele Betroffene versuchen entsprechende Situationen zu vermeiden oder auszugleichen, beispielsweise werden berufliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten nicht wahrgenommen. Doch die Folgen können auch weitreichender sein: So kann die Nicht-Beachtung schriftlicher Informationen sogar zu unmittelbaren Gefahren am Arbeitsplatz führen. In den meisten Fällen funktionieren die Betroffenen jedoch in der Arbeitswelt, mehr als die Hälfte von ihnen ist erwerbstätig.


Arbeit im Wandel 
Im dritten Lernfeld des Moduls rückt das betriebliche Umfeld von funktionalen Analphabeten und Menschen mit Grundbildungsbedarf in den Mittelpunkt. Hier gewinnen die künftigen Mentorinnen und Mentoren ein Bewusstsein für die Veränderungen der Arbeitswelt und lernen Zusammenhänge mit Grundbildungsanforderungen wahrzunehmen.

Besonders Tätigkeitsbereiche, die ursprünglich auf körperlicher Arbeit basierten, spüren die Auswirkungen zunehmender Automatisierung und Digitalisierung. Aber auch in anderen Bereichen reichen die Kompetenzen, die in der schulischen oder beruflichen Ausbildung vermittelt wurden, nicht mehr aus, um den alltäglichen Anforderungen am Arbeitsplatz ein Leben lang gewachsen zu sein. Um mit den Veränderungen und Dynamiken der modernen Arbeitswelt Schritt halten zu können, müssen wir uns alle permanent weiterbilden. Die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens liegt auf der Hand – Voraussetzung ist jedoch eine fundierte Grundbildung.


Mentorinnen und Mentoren für Grundbildung im Betrieb  
Im letzten Lernfeld des ersten Moduls werden die inhaltlichen Stränge der vorausgegangenen Felder verknüpft. Ziel ist, dass die Teilnehmenden eine klare Vorstellung von den Aufgaben und persönlichen Voraussetzungen der Mentorentätigkeit haben und die Spezifika der Zielgruppe im betrieblichen Umfeld berücksichtigen können.

Mit Abschluss des ersten Moduls haben die Teilnehmenden ein idealtypisches Bild einer Mentorin oder eines Mentors gewonnen. Im Folgenden besteht die Herausforderung nun darin, den angehenden Mentorinnen und Mentoren die nötigen Fähigkeiten zu vermitteln, um tätig werden zu können.

03 Bild Kegel S. 12 

Foto: Mento
 

Modul B:
Identifikation von Grundbildungsbedarf
 

Im zweiten Modul beschäftigen wir uns mit der Frage, wie Grundbildungsbedarfe erkannt werden können. Nur wenn Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Blick dafür haben, können sie auf Kolleginnen und Kollegen zugehen. Doch zugleich müssen die zukünftigen Mentorinnen und Mentoren den sensiblen Umgang mit diesen Fähigkeiten erlernen. Menschen mit Grundbildungsbedarf fallen in der Regel im Betrieb nicht auf, da sie entsprechende Kompetenzen ausgebildet haben, mit denen sie ihre Defizite ausgleichen oder verdecken können. Doch an diesen Strategien und Handlungsmustern lässt sich Grundbildungsbedarf erkennen, wenn die Beobachtungsfähigkeiten entsprechend geschult sind.  


Indizien für Grundbildungsbedarf  
Lesen und schreiben zu können ist nicht selbstverständlich. Die hohe Anzahl funktionaler Analphabeten und Menschen mit fehlerhafter Rechtschreibung macht das klar. Schrift ermöglicht denjenigen, die damit vertraut sind, Kommunikation über zeitliche und räumliche Grenzen hinweg. Sie ermöglicht das Festhalten von Informationen und ihre jederzeitige Abrufbarkeit. Funktionale Analphabetinnen und Analphabeten beherrschen Schrift nur rudimentär. Daraus lassen sich Indizien ableiten, mit deren Hilfe dieses Problem möglicherweise identifiziert werden kann. So können unbewusste Lippenbewegungen beim Lesen und verkrampfte oder nicht routinierte Stifthaltung Hinweise sein.

Auch Vermeidungsstrategien oder die Delegation von Leseaufgaben („Den Brief habe ich gar nicht bekommen! Sag mir einfach, was da drin stand!“) können Indizien sein. Hinwegtäuschen oder Ausweichen sind ebenfalls regelmäßige Muster: „Ohne meine Lesebrille kann ich das nicht lesen!“ Diese Beispiele sind immer nur exemplarisch und haben keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit, aber entlang solcher Fälle können Mentorinnen und Mentoren aufmerksames Zuhören und Hinsehen lernen.

Die Teilnehmenden lernen auf Einzelheiten zu achten, die – wenn sie regelmäßig oder zusammen mit anderen Indizien auftauchen – auf Grundbildungsbedarfe hindeuten können und werden trainiert, diese zu erkennen.


Das Umfeld der Betroffenen
Funktionale Analphabeten bewegen sich wie jeder andere auch in Alltag und Arbeit innerhalb sozialer Gefüge. Oft sind innerhalb eines solchen Umfeldes Personen zu finden, die von ihren Grundbildungsbedarfen wissen und sie auch bei Lese- und Schreibanforderungen unterstützen. Den Teilnehmenden Kenntnisse über diese Personen zu vermitteln ist für ihre künftige Mentorentätigkeit unerlässlich, da nicht nur die Betroffenen Kontakt zu ihnen suchen werden, sondern auch die sogenannten (Mit-)Wissenden. Die Strukturen eines solchen Umfeldes sind komplex, aus ihnen ergeben sich jedoch verschiedene Möglichkeiten der Kontaktaufnahme, was im dritten Modul näher thematisiert wird.

03 Comic klein 

Comic: Auf Augenhöhe - Mentoring für Grundausbildung und Alphabetisierung
 

Modul C:
Menschen mit Grundbildungsbedarf erreichen
 

Gerade weil die Themen Grundbildungsbedarf und funktionaler Analphabetismus noch zu oft mit Scham und Angst einhergehen, bedarf es besonderen Fingerspitzengefühls im Umgang damit. Daraus folgen die Fragen „Wie können diese Themen grundsätzlich im Betrieb positioniert werden?“ und „Wie können Mentorinnen und Mentoren innerhalb betrieblicher Strukturen fußfassen?“. Sie müssen schließlich erkennbar sein, um angesprochen zu werden.


Positionierung im betrieblichen Umfeld
Um Menschen auf dem Weg zur Schrift zu unterstützen, müssen die Mentorinnen und Mentoren zunächst in der Lage sein, Gesprächsanlässe zu erkennen und zu nutzen. Einerseits müssen sie im Betrieb „gefunden werden können“. Hier bauen wir auf das Engagement unserer Mentorinnen und Mentoren und unterstützen sie zum Beispiel bei Aktivitäten im Rahmen von Veranstaltungen und betrieblichen Anlässen. Dazu kommt aktive Öffentlichkeitsarbeit in Form von Flyern oder Aushängen, die sich vornehmlich an Personen im Umfeld der Betroffenen richten. Andererseits müssen Mentorinnen und Mentoren auch aktiv auf andere zugehen können. Wichtig ist hierbei den richtigen Zeitpunkt und den richtigen Ton zu treffen, was im Rahmen der Veranstaltung trainiert wird.


Ansprache von Menschen mit Grundbildungsbedarf
Die direkte Ansprache erfordert nicht nur Fingerspitzengefühl und kommunikative Sensibilität. Die möglichen Folgen müssen ebenso reflektiert und hinterfragt werden. Wird zum Beispiel eine vermeintlich eingeweihte Person auf die möglicherweise nicht vorhandenen Lese- und Schreibschwächen seines Kollegen angesprochen, dann kann das Missverständnisse und Vorverurteilung nach sich ziehen. Weil die Konsequenzen weitreichend sein können, müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen, die verschiedenen Dimensionen ihres Engagements zu beachten.


Qualifizierungsmöglichkeiten
Um auf konkrete Anfragen bezüglich der Weiterbildung von Menschen mit Grundbildungsbedarf eingehen zu können, bekommen die Teilnehmenden einen Überblick über Qualifizierungsmöglichkeiten vermittelt. Dies umfasst sowohl den klassischen Alphabetisierungskurs als auch Lernportale und Lernsoftware. Für vertiefende Fragen der Weiterbildung stehen sowohl den Mentees als auch den Mentoren Lernberaterinnen und Lernberater vor Ort zur Verfügung, die ebenfalls im Rahmen des Projekts MENTO ausgebildet werden. Die Vernetzung mit weiteren Aktiven in der Region wird an dieser Stelle ebenfalls thematisiert.


Expertise eines Lernenden
Zum Abschluss erhalten die Seminarteilnehmer die Möglichkeit, die Perspektive eines Lernenden kennenzulernen. Die eingeladenen Lernenden können oder konnten selbst nicht ausreichend lesen und schreiben. Die Teilnehmenden können ihnen die Fragen stellen, die sich im Laufe des Seminars für sie ergeben haben. Die künftigen Mentorinnen und Mentoren können von diesem Austausch profitieren, sie wissen den Mut und Einsatz der Expertinnen und Experten zu schätzen.


Ausblick
Nachdem alle drei Module durchlaufen wurden, ist die Erstqualifizierung von Mentorinnen und Mentoren für Grundbildung und Alphabetisierung in der Arbeitswelt abgeschlossen. Innerhalb weniger Wochen nach dem Seminar bieten wir den neuen Köpfen unseres Netzwerks die Möglichkeit der Nachbereitung der Qualifizierung in Form eines Reflexionsworkshops. Hier können sie erste Erfahrungen austauschen und das weitere Vorgehen besprechen. Außerdem bieten wir unseren Mentorinnen und Mentoren die Teilnahme an weiterführenden Veranstaltungen an. Dazu gehört zum Beispiel ein Fachseminar zur Alphabetisierung. Zugleich vernetzen wir sie mit anderen Mentorinnen und Mentoren, Lernberaterinnen und Lernberatern sowie weiteren Engagierten in der Region.


Die Kegel-Aufstellung

Unsere Qualifizierungen zeichnen sich durch eine methodische Vielfalt aus, die zum einen für ein lebendiges Seminarerlebnis sorgen und zum anderen Inhalte didaktisch anschaulich vermitteln. Exemplarisch wird hier die Kegel-Methode vorgestellt. Sie dient dazu, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Strukturen des sozialen Umfelds Betroffener zu veranschaulichen. Zugleich markiert sie den Übergang vom zweiten ins dritte Modul.

 „Einer unserer Mentoren hat die Themen Grundbildung und Alphabetisierung nicht nur dem Betriebsrat vorgestellt, sondern auch aktiv Weiterbildungsmöglichkeiten für Kolleginnen und Kollegen mit Lese- und Schreibproblemen geschaffen. Gemeinsam besuchen diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Service-Betriebes zweimal pro Woche einen Kurs, der grundlegende Schriftsprachkompetenzen am Arbeitsplatz vermittelt. Unser Mentor begleitet die Teilnehmer auch nach dem Kurs zu weiteren Qualifizierungs-maßnahmen.“
Quelle: MENTO   


03 Kegel Methoden-Beispiel Foto: Mento 

03 Material Kegel



METHODEN-BEISPIEL

ZIEL

Diese Methode dient nicht nur der Vermittlung wichtiger Informationen, sondern auch der Erweiterung der Handlungskompetenzen der Teilnehmenden. Sie soll ihnen komplexe Sachverhalte plastisch aufzeigen und zugleich die Dynamik von Veränderungen darstellen. Sie schärft den Blick für Spannungsfelder im betrieblichen wie privaten Umfeld und trägt zur Sensibilisierung der künftigen Mentorinnen und Mentoren bei. Zudem steigert sie die Interaktivität, denn die Teilnehmenden werden in die Durchführung und die damit verbundenen Entscheidungsprozesse eingebunden.

ABLAUF  

Das Metaplanpapier wird auf dem Tisch ausgelegt. Die Seminarleitung nimmt den grünen Kegel und beschreibt die wesentlichen Eigenschaften der symbolisierten Person. Nach der Beschreibung erhält der Kegel ein Namensschild (Klebeband) und bekommt ein Gesicht (Smiley oder kreisrunde Pappe) angeklebt, das seinen emotionalen Zustand innerhalb des Umfeldes wiedergibt. Anschließend positioniert sie den Kegel in der Mitte des Tisches.


Phase 1: AUFSTELLUNG  

„Anna ist 44 Jahre alt, geschieden und hat zwei Kinder. Sie arbeitet als Küchenhilfe und stockt mit Arbeitslosengeld II auf. Mit ihrer Arbeitssituation ist sie durchaus zufrieden ( :-) )  Anna kann aber nicht gut lesen und schreiben und kommt auch mit dem Computer nicht zurecht.“  

Die oder der erste Seminarteilnehmende nimmt sich einen Kegel und beschreibt auch hier die wesentlichen Eigenschaften der symbolisierten Person. Die Farbe des Kegels richtet sich danach, ob die Person von Annas Grundbildungsproblemen weiß oder nicht. Nach der Beschreibung erhält er ein Namensschild und Gesicht, dass seine Einstellung zu Anna wiedergibt. Die Seminarleitung fragt nun danach, ob die dargestellt Person Anna auch unterstützt oder nicht. Der Kegel erhält entsprechend eine grüne oder rote Markierung. Danach stellt die Teilnehmerin oder der Teilnehmer den Kegel auf den Tisch, wobei auf Position und Ausrichtung zu achten ist. Die Teilnehmerin oder der Teilnehmer sollte erläutern, weshalb der Kegel so aufgestellt wurde.  

„Peter ist 48 Jahre alt, alleinstehend und kinderlos. Er ist Annas unmittelbarer Arbeitskollege. Er weiß von ihrem Problem (gelber Kegel) und ist ihr emotional freundlich gesinnt (  :-) ) . Er unterstützt sie (grüne Markierung) und steht ihr im Vergleich zu anderen Kolleginnen und Kollegen näher (Positionierung nahe dem grünen Kegel).“ 

In gleicher Weise geht die Runde weiter, bis jeder Teilnehmende einen Kegel aufgestellt hat.  


Phase 2: REFLEXION 

Das Beziehungsgeflecht der entstandenen Aufstellung wird mit den Teilnehmenden besprochen. Hierbei wird sowohl auf das Verhältnis der dargestellten Personen zu Anna als auch auf die Beziehungen der Personen untereinander eingegangen. Von besonderem Interesse sind hier die Personen, die von Annas Grundbildungsproblemen wissen (zum Beispiel: Peter).  


Phase 3: VERÄNDERUNG  

Die Position der Kegel auf dem Untergrund (Metaplanpapier) wird markiert (umkreisen und mit Namen versehen), da im Folgenden die zunächst statische Aufstellung aufgebrochen werden soll. Die Seminarleitung gibt ein Ereignis vor, dessen Auswirkungen von den Teilnehmenden diskutiert und in der Aufstellung umgesetzt werden soll. Das führt dazu, dass die dargestellten Gefüge in Bewegung gebracht und die Verhältnisse neu geordnet werden müssen. Die Veränderungen sollen auf dem Metaplanpapier festgehalten werden.

„Peter bekommt einen anderen Job angeboten und informiert Anna darüber, dass er das Unternehmen verlassen wird. Aus Angst und Scham zieht sie keinen anderen ihrer Kolleginnen und Kollegen ins Vertrauen. Sie beginnt Fehler zu machen, da Peter nicht länger da ist, um sie zu unterstützen, was so weit führt, dass ihr Chef sie darauf anspricht. Die Situation spitzt sich bis zu dem Punkt zu, dass Anna das Unternehmen verlässt.“  


Phase 4: AUSWERTUNG

Nachdem das berufliche oder auch das private Umfeld aufgestellt und anschließend verändert wurde, sollen nun die Ergebnisse ausgewertet und systematisiert werden. Die Metaplanwand wird in drei Spalten unterteilt, in die der Name, der Kenntnisstand (roter oder gelber Kegel), sowie der Grad der Unterstützung (roter oder grüner Punkt) eingetragen werden soll. Wenn alle Personen des Umfelds erfasst sind, wird gemeinsam mit den Teilnehmenden besprochen, wie das Umfeld der Zentralfigur strukturiert ist. Die Seminarleitung kann durch entsprechende Fragen die Diskussion steuern, wie zum Beispiel: 

  • Wer weiß von ihren Grundbildungsproblemen?
  • Von wem erhält sie Unterstützung?
  • Welche Figuren sind für sie wichtig?
  • Welche gefährlich?
  • Hätte es einen Weg gegeben, der zu einem anderen Ergebnis geführt hätte?  


Phase 5: AUSBLICK  

Die Seminarleitung kann an dieser Stelle den Teilnehmenden schon einige Gedanken mit auf den Weg geben, die im dritten Modul der Qualifizierung relevant werden. Dort wird die Mentorin bzw. der Mentor als Teil des dargestellten sozialen Umfeldes gedacht und es werden entsprechende Konstellation und Konsequenzen diskutiert.    

„Eine unserer Mentorinnen wurde von der Inhaberin eines Dienstleistungsunternehmens angesprochen, weil sie vermutete, dass eine Auszubildende Defizite im Grundbildungsbereich hat. Weil Probleme dieser Art häufig mit Schamgefühl einher gehen, hat unsere Mentorin zunächst die notwendige Sensibilität für die Situation geschaffen. Durch die stetige Reflexion der Ausgangslage und den kompetenten Umgang mit dem ‚vermutenden Umfeld‘ konnte sich die Auszubildende angstfrei öffnen. Heute belegt die junge Frau einen Kurs zur Nachqualifizierung. Unsere Mentorin bleibt währenddessen und danach eine Anlaufstelle bei Problemen oder Zweifeln.“
Quelle: MENTO  

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Auf Augenhöhe – Mentoring für Grundbildung und Alphabetisierung" entnommen.